Hans Hauswald
aan
Menno ter Braak

Leipzig, 19 februari 1940

Den 19 II. 1940

 

Lieber Menno,

Als Du mir vor einiger Monaten Dein kleines Heft ‘De nieuwe Elite’ gegeben hast, wolltest Du gern wissen, was ich darüber denke. Ich habe etwas lange mit der Antwort auf mir warten lassen, obwohl ich das Büchlein schon auf der Fahrt durchgelesen hatte. Zu Hause habe ich mich aber mehr um meine damalige Arbeit kümmern müssen, sodass ich mich nicht eingehend genug mit Deinem Heft beschäftigen konnte.

Inzwischen habe ich mehr Zeit gefunden und die Schrift liegt nun schon ein paar Wochen auf dem Tisch. Ich habe sie seitdem noch ein paar Mal gelesen.

Zu einem Resultat bin ich aber immer noch nicht gekommen. Vielleicht ist dies auch eine Art Anerkennung, die ich Deinem Werk zolle. Ueber die Richtigkeit des historischen Teils, wie er zu Erklärung der gegenwärtigen Anarchie dient, kann kein Zweifel bestehen. Auch über die Notwendigkeit einer mit gutem Gewissen befolgten opportunistischen Handelsweise bin ich mir im Klaren. Neulich las ich im ‘Willen zur Macht’ etwas ganz Aehnliches:

‘In der Hauptsache ist das kluge Ausnützen der gegeben Lage wohl unsere beste, ratsamste Tätigkeit.’

Gleichzeitig bin ich mit dem ‘schipperen’ bloss um dessentwillen doch nicht einverstanden - weil es mir allzu individualistisch ist. Darum habe ich auf die Frage: ‘Wat houdt een tactiek in zonder absoluut gesteld doel?’ auch eine andere Antwort. Eine Antwort, die ich mir von Nietzsche geborgt habe und die mir auch heute noch richtig scheint: Diese Taktik des Opportunismus wird mir vom Willen zur Macht eingegeben, wobei ich die einmal erlangte Macht in einem ganz bestimmten Sinne auszunützen gedenke. Darum bin ich auch nicht einverstanden damit, dass ‘de nieuw elite zal uiteenvallen in een denkende en een handelende elite.’ Gerade weil man zwischen der Scylla des ferrums und der Charybdis des verbums zwischendurch lavieren muss, wird man selber diese Zweiteilung bei sich nicht mehr dulden.

Darum glaube ich auch mehr als an das Paradox an die Einheit, wenn ich mich auch schwer hüten werde, das Wesen dieser Einheit in Worten zu umschreiben, geschweige den definieren zu wollen. Worte sind gut um Anhänger zu bekommen, aber sie werden nicht dafür zu gebrauchen sein, dass man das Ziel, das man als ‘sentiment’ (aanvoelen) in sich trägt, damit definiert. Das Paradox steht mir noch zu dicht beim Nihilimus, als dass mein innerstes sentiment dadurch befriedigt würde. Oder habe ich Dich falsch verstanden und Du meinst garnicht, dass das höchste Ziel der neuen Elite ist: Paradoxe über alles und jedes zu schmieden.

Denn schliesslich sagst Du auch wieder dasselbe, was ich ausdrücken möchte: eenheid door democratie, maar die tevens esoterisch het geheim waart.

Der grösste Fehler den man machen könnte, wäre wohl ein ‘Programm’ aufzustellen, denn dieses würde ja doch bald zur Tyrannei werden. Trotzdem wird man kaum ohne Wortschwall auskommen können, wenn man um praktisch wirkzam zu werden die dazu nötige Macht erlangen will. Deshalb bin ich doch wieder für die Formulierung von vorläufigen, konkreten Zielen, wie sie ungefähr in der kleinen ‘Abhandlung über Treitschke’ ausgedrückt sind.

Das ‘Geheimnis’ der neuen Elite lässt sich nicht durch Standards ausdrücken, sondern muss bei jedem Menschen einzeln mit einer Art ‘Eliteinstinkt’ erfasst werden, wobei dieser Instinkt beileibe nichts ‘Elementares’ ist sondern ein Unterscheidungsvermögen, das nur auf hoher Kulturstufe zu erlangen ist.

Met het oogenblik van het uitspreken van het nieuwe doel valt hetzelfde binnen de perken van de ‘Parteiarena’ en staat bloot tegenover alle aanvallen van hoog en laag. Ein neues Verhältnis zum Elementaren - wat een onzin! ‘Ein neues elementares Verhältnis’ zou beter den toestand uitdrukken. Een ‘Verhältnis’, dat in zijn vrijwel totale onverschilligheid tegenover woorden een verhouding nadert, die men tot nu toe met het woord ‘liefde’ omschreef. Zonder liefde geen contact en dus geen mogelijkheid tot denkend handelen - geen mogelijkheid de synthese van Erasmus en Macchiavelli te voltrekken. Geen moralische verplichting maar een zelfverzekerdheid, die van binnen naar buiten gaat, de oogen helder en de stap ferm maakt en daarmee soms de uiterlijke kenmerken van den bruut geeft.

‘Toekomstvisie’ - zooals Marsman die vereischt, habe ich schon genug, aber darum finde ich doch nicht, dass man muss ‘uitgaan van een essentieel beeld van den mensch’. Das ‘schipperen’ betrifft auch nicht die ‘toekomstvisie’ sondern nur den Weg, der zu ihr führt.

Manchmal finde ich, dass das Büchlein nicht hätte geschrieben werden sollen, denn es versucht etwas auszudrücken, was nicht mit Worten gesagt werden kann. Man muss schon die Gestalt des Verfassers vor Augen haben um die Worte nach ihrem richtigen Wert einschätzen zu können. Wenn zwei dasselbe sagen ist es noch nicht dasselbe. Um das Buch vollständiger zu machen gehört eigentlich noch eine Abbildung von Dir mit hinein - z.B. die Fotografie des Betongemäldes und möglichst auch eine Wachsplatte, damit man sich eine Vorstellung von Deiner Stimme machen kann. Sonst könnte mancher N.S.B.er auf den Gedanken kommen, dass in diesem Heft einer dekadenter Zivilisationsliterat spricht. Und das ist ja nun ganz sicher nicht der Fall.

Bitte entschuldige, dass ich jetzt nicht mehr zu dem Heft sagen will. Voor myn oogen danst een andere zeepbel, zoodat ik my over de nieuwe elite niet zeer verontrust. Ich bin dabei die Abhandlung über Treitschke noch etwas auszubauen. Vielleicht kan sie einmal brauchbar werden. Vielen Dank für Deine Bestätigung, dass Du sie erhalten hast. Die Karte brauchte 6 Tage um hier anzukommen und war von der Zensur genau untersucht worden.

Freundliche Grüsse, auch an Ant und von Lenchen an euch beide, sendet

Arno

 

Origineel: Den Haag, Letterkundig Museum

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