Briefwisseling Menno ter Braak - Samuel Lewin

Menno ter Braak
aan
Miriam en Samuel Lewin

Den Haag, 8 december 1934

den Haag, 8 Dez. '34

 

Liebe(r) Frau und Herr Lewin

Wir waren schon einigermassen über Ihr Schicksal in Unruhe, weil wir solange nichts von Ihnen hörten. Gestern traf aber Ihr Brief ein, und so wissen wir dass Sie gut angekommen sind und nicht einmal schwer seekrank waren. Hoffentlich wird Ihr Aufenthalt in Warschau Resultate haben für Ihre Arbeit! Ihr erster Eindruck scheint Sie nicht zum Optimismus zu veranlassen; schade, aber Sie waren als Sie hier waren schon nicht sehr enthusiastisch über Ihre Polen.

Ich schliesse zwei Poststücke ein, die nach meiner Adresse geschickt wurden. Das holl--deutsche Wörterbuch wird von der Buchhandlung Nijhoff heute oder Montag nach Warschau expediert.

Ich freue mich sehr darüber, dass Sie, liebe Frau Lewin, die Uebersetzung fertig stellen wollen; ich glaube es wird mir mit dem Text in der Hand schon gelingen das Buch irgendwo unterzubringen. Von unserem teuren Mitglied der Reichskulturkammer, Herrn dr. Schwiegersohn, habe ich weiter nichts mehr gehört. Vielleicht hat er doch gespürt, dass meine Nase sich nicht mit dieser Bereitschaft zum historischen Verstehen der Weltgeschichte abfinden kann. Immerhin möchte ich mit dem Vertreter des Phaidonverlages mal sprechen.

Mein Artikel über dem Emigrantenkomplex hat Herrn Mann (Klaus) veranlasst zu einem Brief an mich, in dem er gesteht, dass man in Emigrantenkreisen die Kritike absichtlich so macht, weil man sonst nicht mit dem Göbbelsgeschäft konkurrieren kann. Wie grundfalsch diese Methode und wie plump das Geständnis ist, scheint ihm nicht aufzugehen. Ueber die [nachtkr?] Johanna ist er aber nicht böse, das ist wieder eine gute Note für ihn.

Ich möchte Sie noch darauf aufmerksam machen, dass auch im sechsten Kapittel des ‘Politicus zonder Partij’ eine kurze Stelle vorkommt, in der die Rede ist von meinem Roman ‘Dr. Dumay verliest’. Selbstverständlich werde ich diese Seite auch umarbeiten; es handelt sich aber nur um einen sehr kurzen Passus den Sie finden S.246, und der an das Uebrige nichts ändert.

Ich muss in grosser Eile schreiben, weil die Saison wieder wütet und ich noch die Korrespondenz einer ganzen Woche erledigen muss. Hoffentlich künftig mehr und besser.

Es wäre mir, und gleichfalls meiner Frau lieb, wenn wir unsere Verbindungen aufrechthalten könnten. Man begegnet im Leben nun einmal nicht allzuviele Freunde, auf die man wirklichen Wert legt.

Mit den besten Wünschen und herzlichen Grüssen

bleiben wir Ihr

Menno ter Braak

und A. tBr. F.

 

Fotokopie: Den Haag, Letterkundig Museum

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