Carl Wehmer
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Menno ter Braak

Berlijn, 3 april 1929

Berlin, 3. April 1929

 

Lieber Herr ter Braak!

Es wird Sie interessieren dass das lang angekündigte Buch von P.E. Schramm jetzt in Kürze im Buchhandel erscheinen wird. Ich hatte gestern die fertig ausgedruckten Korrekturbogen in der Hand und habe Sie gleich daraufhin durchgesehen, ob Schramm sich mit ihrem Buch auseinandersetzt. Dies ist nicht der Fall, obwolhl Sie staunen werden, wie eng sich oft Themastellung und auch manches Ergebnis mit Ihren eigenen Formulierungen feindlich oder freundlich begegnen. Ihr Buch konnte scheinbar nur in einem Nachtrag (merkwürdige Duplicität der Ereignisse!) in einer Note erwähnt werden. Den Text der note finden Sie auf beiliegender karte. Der Titel des Buches lautet, wie Sie vielleicht schon wissen:

Kaiser, Rom und Renovatio, I.Teil: Studien. In: Studien der Bibliothek Warburg, hrsg. von Fritz Saxl Heft XVII, 1. - Leipzig-Berlin (Teubner) 1929.

In dem gut gearbeiteten, soeben (1929) erschienenen ‘Handbuch für den Geschichtslehrer, hrsg. von Oskar Kende, Band III: Fedor Schneider: Das Mittelalter bis zur Mitte des XIII. Jahrhunderts’ wird Sie besonders pg. 193 ff. interessieren, auch von Ihrem Buch ist bereits Notiz genommen.

Eine knapp gefasste (1 Seite) Besprechung Ihres Buches, weniges kritisch als referierend, wird in der nächsten Nr. des Neuen Archiv erscheinen. Ich sprach mit dem Referenten längere Zeit über Ihr Buch, er sagte mir, dass er es sehr gut fände und mit Interesse gelesen habe. (Neues Archiv, Band 48, unter Nachrichten des Heftes, 1/2, pg. 194)

Wie geht es Ihnen, Herr ter Braak? Ich würde mich freuen von Ihnen bei Gelegenheit eine Postkart zu erhalten und zu hören, ob sich Ihre Geschicke zu Ihrer Zufriedenheit gestaltet haben. Ich habe einen schlechten Winter hinter mir, da ich 5 Monate lang von Krankheit geplagt war. Meine Arbeit kam so wieder nicht voran.

Mit den besten Grüssen

Ihr ergebener

Carl Wehmer

 

P.S. Schramm, Exkurs I, pg 16, Note 6.

Bei Abschluss dieser Arbeit geht mir noch durch die Liebenswürdigkeit des Verfassens (Titel Ihres Buchs) zu, der sich mit vielen auch von mir behandelten Problemen auseinandersetzt. Betrachtungsweise n. Ergebnisse sind jedoch wesentlich andre, so dass ich so mir versagen muss, an den betreffenden Stellen meines Buches Stellung zu den Ansichten ter Braak's zu nehmen. Der Sache wird besser gedient sein, wenn ein Dritter sich der Mühe unterzieht, die auseinandergehenden Meinungen festzustellen und die beiderseitigen Begrundungen nachzuprüfen.

 

Origineel: Den Haag, Letterkundig Museum

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