Briefwisseling Menno ter Braak - Hans Hauswald

Hans Hauswald
aan
Menno ter Braak

10 augustus 1939

Lieber Menno,

Ich hätte Dir gern vor meiner Abreise noch ein paar Zeilen geschrieben, die Du vielleicht als unnötig empfindest, aber die ich doch wohl als notwendig empfinde um nicht eine Unterlassungssühnde zu begehen. Denn es ist doch wohl unfreundlich immer nur zu nehmen und - da die Fähigkeit des Gebens in meinem Falle weniger gut entwickelt ist als bei Dir - nicht einmal auszusprechen welchen Eindruck des Geben auf den Empfänger dieser Freundlichkeiten macht. Nun weiss ich schon, dass die 5 Tage die wir bei Dir und Deiner Frau waren für Dich keine grosse materielle Belastung gewesen sind, aber deshalb will ich Dir ja auch garnicht danken.

Aber was wohl der Erwähnung wert ist, sind die vielen neuen Eindrücke und Gedanken, die sowohl meine Frau als auch ich in Deinem Hause empfangen haben und die ich im Einzelnen auch nicht aufzählen will, obwohl Benjamin Franklin sich jeden Abend eine kleine Tabelle machte was er am abgelaufenen Tage Gutes und Schlechtes gesehen gehört und gelernt hatte. Aber solch eine tägliche Bilanz mache ich trotz meiner kaufmännischen Bildung nicht, und auch nicht trotz meiner Sympathie für Benjamin. Es geht ja auch nicht um die einzelnen Vorfälle, die nicht so viel anders zu sein brauchen als in Deutschland. Aber wohl ist die Stimmung, die Atmosphäre und das Muster, nach dem sich alles gliedert so grundverschieden, dass wir Dir beide für die Möglichkeit sehr dankbar sind eine Ferienwelt kennengelernt zu haben, die wir stets gern in Erinnerung behalten werden.

Mit freundlichem Gruss

Hans Hauswald

 

Origineel: Den Haag, Letterkundig Museum? Briefpapier Hans Hauswald. Machineschrift.

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